ähhm Sonder-Vermögen, oder doch ehrlicher: Sonder-Schulden?

Sicher sind Sie, wie auch ich, absolut davon überzeugt, daß unsere Spitzenpolitiker in der Ausübung ihrer Ämter, da sie ja immerhin von uns, den Wählern, genau dazu legitimiert wurden (und ihre Berater, die allerdings niemand gewählt hat), jederzeit nur in unserem Interesse handeln und äußerst verantwortungsvoll mit Steuermitteln umgehen – also deren sinnvolle, zweckgebundene und zukunftssichernde Verwendung jederzeit nachweisen können – und eventuell notwendige Neuverschuldung mit Blick auf kommende Steuerzahler-Generationen absolut in Grenzen halten.

Und heute kam der Osterhase 😉

Grundlage allen Wohlstands, privat und gesellschaftlich, ist Wertschöpfung (die im internationalen Konkurrenzkampf bestehen muß) und nicht etwa Kreditaufnahme …

Politiker dürften sich ruhig mal wieder mit guten Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung beschäftigen, wenigstens diejenigen, die genau dafür bezahlt werden, denn:

Wir sind kein reiches Land mehr, die Wirtschaftsleistung sinkt schon sehr lange und rapide – aber die Mehrzahl unserer Politiker und auch andere Bevölkerungsteile scheinen das noch nicht bemerkt zu haben und denken und verhalten sich noch so, als ob das nicht so wäre. Es wird nach außen und innen verteilt, als gäbe es kein morgen. Wie wäre es mit: sich erstmal um das eigene Haus kümmern, es gründlich sanieren, sich konsolidieren, stark machen und erst danach um die Nachbarn kümmern?

Krankenkassen, Rentenkasse, alle am Abgrund. Aber statt die Gründe klar zu benennen, die das Sozialsystem seit 2015 etwas belasten und an deren Lösung punktuell und wirksam zu arbeiten, hat man eine bessere Idee: man bereitet einen Gesetzesentwurf vor, der die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern abschafft – bedeutet: die einzahlenden Familien zahlen künftig noch sehr viel mehr ein, damit beitragsbefreite (und stetig wachsende) Bevölkerungsgruppen weiterhin in den Genuß einer kostenlosen, erstklassigen Gesundheitsversorgung kommen können. Das wird in der weiten Welt ganz bestimmt wohlwollend zur Kenntnis genommen werden und die Attraktivität unseres Landes weiter erhöhen.

Oder: ein wesentliches Regulativ in einer freien Wirtschaft, den Preiskampf, einfach mal per Gesetz fast zu verbieten, ist auch ein Meilenstein der Wirtschaftspolitik in einem Land, das nicht der Planwirtschaft unterliegt – was für eine schöne sozial(istisch)e Idee. Funktioniert auch hervorragend, wie man an den Tanksäulen sieht 😉 Wo kein Preiskampf ist, gibt es auch keinen Anreiz, den Preis einer Ware unter dem der Konkurrenz zu halten – wie überraschend. Auch überraschend ist, wie widerstandslos dieser Humbug den Bürgern als preishemmend verkauft werden kann…

Last but not least: Wie wäre es denn, wenn wir endlich mal wieder versuchen, zu einer diskursorientierten Gesellschaft zurückzukehren? Wie wäre es denn, wenn wir versuchen, die „Kurve noch zu kriegen“, Fakten wieder als Fakt zu akzeptieren und Traumschlösser in Wolkenkuckucksheim wieder als Luftchlösser erkennen und benennen würden und dürften? Das wäre nicht nur gut und heilsam, sondern auch höchste Zeit.

Und doch noch ein letzter Frust – liebe Journalisten, erinnert euch zwischen den Arbeitsessen mit Gönnern an die Grundprinzipien eures Berufes und eure wichtige Funktion in einer freien Gesellschaft. Hört auf, willfährige Claqueure derjenigen zu sein, deren Handeln und Taktieren ihr eigentlich hinterfragen und ans Licht bringen solltet. Wer nicht die Fähigkeit hat, trotz eigener Präferenzen für eine politische Richtung in seiner Arbeit neutral zu bleiben, oder einfach nicht den Mut und die Intelligenz für saubere investigative Recherchen hat, sollte lieber gleich Berufs-Politiker in seiner bevorzugten Partei werden, das wäre ehrlicher. Systemangepaßten, realitätsverdrehenden „Journalimus“ gab es schon einmal genügend in der DDR.

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Wird sich hier noch etwas zum Guten, aber nicht im moralischen, sondern im realitätswahrnehmenden pragmatischen Sinne, ändern?

Die Welt um uns herum schläft nicht und traumwandelt auch nicht mit uns durch Scheinwelten – sie ist hart und gnadenlos. Wir können uns ihr nicht einfach durch wegschauen und wegwünschen entziehen. So denken und handeln nur Kinder.

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